Hans Traxler gestorben
Hans Traxler gestorben
Hans Traxler (* 21. Mai 1929 in Herrlich/Böhmen) war Mitbegründer der Satiremagazine Pardon und Titanic. Er war Mitglied der Künstlergruppe „Neue Frankfurter Schule“, unter deren Einfluss sich das Komikverständnis in Deutschland grundlegend veränderte. Beispielhaft für Traxlers Schaffen in den 1960er Jahren ist die 1963 erschienene Wissenschaftsparodie „Die Wahrheit über Hänsel und Gretel“. 1982 machten seine Zeichnungen zusammen mit den Texten von Pit Knorr Bundeskanzler Helmut Kohl zur „Birne“. Seit 2005 steht im Grüngürtel der Stadt Frankfurt das von ihm entworfene ICH-Denkmal unter dem Motto; „Jeder Mensch ist einzigartig.“ Traxler hinterließ ein umfangreiches Werk an Cartoons, Bildgedichten, Illustrationen und Kinderbüchern.
O-Töne
„Mit Hans Traxler verlieren wir einen großen Künstler und eine außergewöhnliche Persönlichkeit. Sein kreatives Wirken hat tiefe Spuren nicht nur in Frankfurt hinterlassen. Wir verneigen uns vor einem beeindruckenden Lebenswerk.“
Mike Josef, Oberbürgermeister der Stadt Frankfurt
„Es stimmt mich sehr traurig, dass wir uns von Hans Traxler verabschieden müssen. Er gehörte zu den herausragenden Künstlern der Komischen Kunst. Sein Werk wird weit über die Gegenwart hinaus Bestand haben und künftige Generationen inspirieren.“
Dr. Ina Hartwig, Dezernentin für Kultur und Wissenschaft der Stadt Frankfurt am
Main
„Hans Traxlers Beitrag für die Komische Kunst ist immens, sein Werk prägend und sein Schaffensdrang beeindruckend. Noch 2024 äußerte er sich in seinem Buch „Wie die Malerei verschwand“ kritisch zur Entwicklung der modernen Kunst. Im vergangenen Jahr erschienen seine gesammelten Bildgedichte sowie in der Büchergilde Gutenberg seine illustrierte „Ode an den Ammersee“. Sein Lebenswerk ist Teil unseres kulturellen Erbes. Unser Auftrag und unser Versprechen ist es, dieses Werk zu bewahren und für kommende Generationen lebendig zu halten.“
Martin Sonntag, Leiter des Caricatura Museum Frankfurt
Hans Traxler war Satiriker, Maler, Zeichner, Illustrator und schuf als Autor satirische Texte sowie Kinderbücher. Zusammen mit F. W. Bernstein, Bernd Eilert, Robert Gernhardt, Eckhard Henscheid, Pit Knorr, Chlodwig Poth und F. K. Waechter bildete er die Künstlergruppe „Neue Frankfurter Schule“. Die legendäre Elch-Gruppe stellte eine bundesrepublikanische Größe dar, mit ihrer Zentrale in Frankfurt am Main. Ihre Protagonisten gehörten zu einer Künstlergeneration, die durch ihre Arbeiten die Enge und Starre Nachkriegsdeutschlands aufbrachen und der deutschen Gesellschaft das freie Lachen beibrachten – mit gewagten neuen Komikformen, präzisen satirischen Analysen und satirischem Nonsens. Der Zweizeiler „Die schärfsten Kritiker der Elche, waren früher selber welche“ von F. W. Bernstein wurde ihr Leitspruch. Zeichnerisch umgesetzt hat ihn Hans Traxler. Der Elch findet sich wieder im Logo des Caricatura Museums, 2008 wurde die Bronzefigur vor dem Museum eingeweiht.
Die satirische Karriere Traxlers, in der sich sein literarisches wie zeichnerisches Talent entfaltete, begann in den 1960er Jahren. Zu seinen frühesten und bekanntesten Werken gehört die Wissenschaftsparodie „Die Wahrheit über Hänsel und Gretel“ (1963). Unter dem Pseudonym Georg Ossegg berichtet er darin über die angebliche archäologische Ausgrabung des Lebkuchen-Hexenhauses; inklusive Lageplan, Schichtenprofilen und Fundpräsentation. Unzählige Leser erkannten die Parodie nicht und stürmten erfolglos den Spessart, um anhand der Pläne von Georg Ossegg die Fundstelle zu besuchen – was Traxler eine Ermittlung wegen Betrugs einbrachte. Das Buch erlebte unzählige Auflagen, einschließlich einer japanischen Ausgabe. 1987 wurde das Werk mit Jean Pierre Léaud, Romy Haag und Alfred Edel verfilmt.
1962 war Hans Traxler Mitgründer von Pardon. Das Magazin präsentierte Satire, Politik, Philosophie, später auch Kunst auf hohem komischem Niveau. Das Blatt wurde zum Forum nahezu aller Künstler und Intellektueller, die die „68er“-Jahre prägten. Differenzen mit Herausgeber Hans A. Nikel führten in den 1970er Jahren dazu, dass sich Traxler gemeinsam mit den späteren Mitgliedern der „Neuen Frankfurter Schule“ von dem Magazin trennte. 1979 gründete die Gruppe die Titanic und schuf sich damit ein Hausmagazin.
Die späten 1970er und die 1980er Jahre waren für Traxler ungemein produktive Jahre. Neben Titanic arbeitete er für das Zeit-Magazin, für die Magazine der FAZ, der SZ und andere. Viele seiner Bildgeschichten und Bildgedichte sind hier zum ersten Mal publiziert worden. Die Anzeigen prominenter Persönlichkeiten wegen Beleidigung musste er in Kauf nehmen. 1982 erschien „Birne – das Buch zum Kanzler” mit den Texten von Pit Knorr. Als einer der ersten deutschen Cartoonisten schaffte er es mit „Aus dem Leben der Gummibärchen“ von 1992 auf den amerikanischen Cartoonmarkt.
2005 schenkte Traxler seiner Wahlheimat Frankfurt das ICH-Denkmal im Frankfurter Grüngürtel. Unter dem Motto „Jeder Mensch ist einzigartig“ kann sich jeder auf dem mit „ICH“ beschrifteten Sandsteinsockel fotografieren und so zum eigenen Denkmal werden.
Vom schnellen Tagesgeschäft zurückgezogen, blieb Hans Traxler als Autor und Illustrator in den letzten Jahren umso kreativer. 2024 erschien „Wie die Malerei verschwand. Eine Kunstgeschichte“, eine satirisch realistische Abrechnung mit dem Kunst- und Lehrbetrieb. 2025 folgten „Eine Ode an den Ammersee“, eine humorvoll pointierte Hommage an seinen Lieblingssee und „Die Bildergedichte“, mit Klassikern und vielen neuen Bilderserien des Künstlers sowie eine Neuauflage von Mark Twains „Bummel durch Europa“ mit Illustrationen Traxlers.
Bis zuletzt blieb das Zeichnen seine Passion. Auf die Frage: „Was ist für Sie das vollkommene irdische Glück?“ antwortete Traxler: „Ein gutgemalter transparenter Schlagschatten“.
Hans Traxler, 1929 Herrlich in Böhmen geboren, geriet 1945 nach Regensburg. Dort begann er, nach einer intensiven ersten Studienzeit bei Max Geyer, seine Laufbahn als Illustrator und verkaufte seine erste satirische Zeichnung bereits mit 17 Jahren an eine Münchner Illustrierte. 1951 ging er auf den Rat eines Freundes nach Frankfurt am Main, das ihm zur Wahlheimat wurde. Er studierte an der Frankfurter Städelschule Malerei bei Georg Meistermann. 1962 war er Mitgründer von Pardon, 1979 von Titanic.
Seine Bibliographie umfasst knapp 50 eigene Bücher und fast 30 Buchillustrationen anderer Autoren, von Schiller und Heine bis Morgenstern und Ringelnatz, von Mark Twain bis Tucholsky. Seine Kinderbücher wurden in viele Sprachen übersetzt, vom Baskischen bis ins Koreanische.
Neben dem Göttinger Elch (2006) und dem Deutschen Karikaturenpreis (2007) als Auszeichnung für sein Lebenswerk, wurde er unter anderem mit dem Ludwig-Emil-Grimm-Preis der Stadt Hanau (2012), der Goetheplakette der Stadt Frankfurt am Main (2014), dem Wilhelm-Busch-Preis (2015), dem Sondermann-Preis für Komische Kunst (2017), dem Friedrich-Stoltze-Preis (2018) und der Prix Livrentête (2021) geehrt. Der künstlerische Nachlass von Hans Traxler befindet sich im Caricatura Museum in Frankfurt und umfasst 3.700 Zeichnungen, Illustrationen und Skizzen.
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